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Die ersten 10 Jahre

Eine Chronik von 1996 bis 2006

von Sven Schütze

 

Von diesem Text, der Bodos Leben in den ersten zehn Jahren als Klavierkabarettist beschreibt, gelangt Ihr über die Links zu vielen Inhalten dieser Website.

Wenn ihr Euch die Zeit nehmt, könnt ihr auf diese Weise meine neue Seite "assoziativ" kennen lernen. Sicher lässt sich hierbei die ein oder andere Überraschung finden. Bitte beachtet dabei, dass Links, die mit einem Sternchen * gekennzeichnet sind, Euch auf externe Seiten führen.

Viel Spaß bei einer kleinen Reise durch die Zeit und den Web-Raum.

 

 
1998
 
 
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Folge 1: 1996 - 1997

Ein Theaterworkshop - Erste Auftritte und der NDR-Comedy-Preis - Das erste Konzert und die Promo-CD

Für mich begann alles am 14. Oktober 1996. Damals lernte ich Bodo kennen. Wir hatten uns während unserer Zivildienstzeit zu einem Theaterworkshop angemeldet. Ich war damals 21 und Spätverweigerer, Bodo gerade mal 19 Jahre alt. Wir sollten etwas über die Theatermethode von Augusto Boal* lernen, der mit seinem "Unsichtbaren Theater" in aller Welt bekannt war. Unser Lehrer war selbst Schüler von Boal gewesen und berichtete aus erster Hand, ließ uns Übungen machen und Stücke schreiben.

Der Workshop fand in Plön in Holstein statt. Das war praktisch für mich, da ich dort wohnte. Bodo hatte es auch nicht weit, er wohnte in Bad Schwartau* und arbeitete im Städtischen Krankenhaus Süd in Lübeck. Zuerst hatte er Krankentransporte gemacht, aber das war ihm zu langweilig. Nun arbeitete er im OP und entsorgte amputierte Raucherbeine.

Bodo am Flügel für das Artwork des ersten Live-Albums

Jeden Abend nach den Workshopeinheiten und auch in jeder erdenklichen Pause saß Bodo am Klavier in der Kapelle, die unser Probenort war, und klimperte Lieder vor sich hin, die keiner von uns kannte. Manchmal sang er auch dazu. Am Montag hatte der Workshop begonnen, und schon am Dienstag hatten wir ihn so weit, dass er uns am Abend alle Lieder vorsang und auch ein Theaterstück vorspielte. Er sagte, er habe alle Lieder selbst geschrieben und gedichtet, und auch die Adaption von "König Ödipus" von Sophokles sei seine eigene. Eigen war sie in der Tat. Aber sagte er wirklich die Wahrheit?

Jedenfalls war er unterhaltsam. Wir haben – kurz gesagt – auf dem Boden gelegen vor Lachen. Er spielte Stücke wie den Abwaschwasserblues und ein Lied über einen nikotinsüchtigen Cowboy. Beim Stück Kartenspiel sollten wir alle mitmachen und jeweils das Reimwort "Karten" auf Kommando rufen, was er schließlich dazu nutzte, uns an der Nase herumzuführen. Für Ödipus benötigte er schließlich einen Freiwilligen, der die Rolle des Kreon übernehmen sollte. Ich meldete mich. Außer, dass ich vor Lachen kaum ein Wort hervorbrachte, war es eigentlich nicht weiter schwer, denn er flüsterte mir den gesamten Text ins Ohr. Und wozu waren wir schließlich auf einem Theaterworkshop!

Endlich, als ihm die Lieder ausgegangen waren, wir aber immer noch mehr hören wollten, erzählte er, dass er die Lieder nur deshalb wie besessen übe, weil er am 16. November ein großes Konzert in der Aula seiner ehemaligen Schule* geben würde. Das würde sogar vom NDR mitgeschnitten und für eine CD verwendet werden. Alle Achtung, dachte ich.

Bodo und Nadja

Dann war der Workshop vorbei, und ich vergaß Bodo wieder sehr schnell. Aber ich hatte mir noch am Abend auf meinem Zimmer den Termin in den Kalender eingetragen, und als der 16. November da war, fuhren meine Eltern und ich nach Bad Schwartau. Das wollte ich mir doch ansehen.

Zum Zeitpunkt meiner Bodo-Initiation hatte er natürlich schon einiges mit seiner Musik erlebt. Als er 16 war, hatte er begonnen, in der Schule, in Pausen und bei kleinen Konzerten seine selbstgeschriebenen Lieder vorzutragen. Das erste war besagter Abwaschwasserblues. Daneben schrieb er Gedichte, oft an Verwandte oder zu familiären Anlässen. Meistens schrieb er in der Schule, auch durchaus, wenn er eigentlich 'wichtigere' Dinge, wie eine Erdkundeklausur, schreiben sollte. Zeugnis von diesem Vorfall gibt seine Weihnachtsgeschichte.

Mit einem Repertoire von gerade einmal fünf Liedern bewarb er sich dann 1996 beim NDR Comedy Preis. Und gewann. Zwar keinen der vorderen Plätze, doch dafür einen Sonderpreis. Die Jury erkannte wohl sein Potential und wollte ihn unterstützen. Der NDR beschenkte ihn mit der Produktion einer Promotion-CD. CD, hörte Bodo, aber da passen doch 74 Minuten drauf! Ihm wurde schnell klar, dass mehr Lieder her mussten.

So kam es also, dass er während des Theater-Workshops in jeder freien Minute übte, und am 16. November 1996 kamen tatsächlich drei Lieder und ein Gedicht zur Uraufführung: Tango infernale, ein Stück für Klavier, Gesang (klar, gleichzeitig!) und Geige, Quand même, je t'aime, ein klavierbegleitetes Duett, das er noch heute im Repertoire hat, Salat, ein Gedicht, und das schon erwähnte Kartenspiel für einen Sänger, einen Pianisten und ein möglichst großes, unbescholtenes Publikum.

Zwei Kinder vor der Bühne während Bodo am Klavier spielt

An diesem Abend bestand dieses Publikum aus 600 begeisterten Menschen. Und alle sind auf den Trick im Kartenspiel* hereingefallen! Ich hatte meine Genugtuung.

Bodo spielte auch die übrigen Lieder: Frau – Das Lied, Applaus, Der einsame Cowboy und den Abi-Song, den sein gesamter Jahrgang mit ihm intonierte. Die Zuschauer brachen nicht erst am Schluss in frenetischen Applaus aus! Von den 74 Minuten werden alleine 12 Minuten mit Applaus gefüllt. Er hatte wohl damit gerechnet, denn sonst hätte er noch zwei weitere Lieder geschrieben.

Auch ich war begeistert. Allerdings nicht vorbehaltlos. Im Gegenteil, ich hatte einige sehr gute Dinge gesehen, und viel Arges. Ich hatte damals bereits den Entschluss gefasst, Regisseur* zu werden und hatte vier Jahre lang eine eigene Theatergruppe geleitet und drei Stücke produziert. Ich meinte also, ihm etwas dazu sagen zu können. Weil nach dem Konzert für Kritik kein Platz war, habe ich lieber geschrieben. Dieser Brief ist der Anfang einer langen Freundschaft und einer erfüllten Arbeitsbeziehung.

Ich war damals der erste, der nicht nur "Ach, das hast du so toll gemacht!" gesagt hat. Wir hatten dieselbe Sprache. Wir wollten das Gleiche erreichen. Das ist bis heute so.

Wir haben uns dann nicht gleich für eine gemeinsame Zusammenarbeit verabredet. Das ist eher ein schleichender Prozess gewesen. Ich kam einfach nur zum nächsten Konzert. Das fand im Museum in Bad Schwartau statt. Bodo spielte anfangs den Ödipus noch mit einem Schulfreund zusammen in der Rolle von Teiresias. Ich habe den beiden ein paar Tipps gegeben. Außerdem habe ich die Scheinwerfer eingerichtet. Damit waren die Grundsteine für die kommende gemeinsame Zeit gelegt: Ich war Regisseur und Techniker.

Bis zur ersten eigenen CD-Aufnahme 1998. Da wurde ich dann auf einmal auch Produzent.

Bodo auf der Bühne mit Tischtennisbällen im Mund

Bodo wurde bis dahin immer besser. Und bekannter. Er schrieb weitere Stücke und hatte Kurzauftritte im Schmidt-Theater in Hamburg. Hamburg, die große weite Welt! Hierhin war ich mittlerweile zum Studium gegangen. Auch Bodo wollte nach dem Zivildienst studieren, erst Medizin, dann Physik, und schließlich gelangte er dafür nach Berlin. Auch das war 1998.

Bis dahin hatte er genügend Lieder komponiert, um diejenigen, die er nicht mehr mochte, aus dem Programm werfen zu können, und trotzdem eine CD voll zu machen – auch ohne 12 Minuten Applaus. Nicht, dass der nicht kam. Wir mussten ihn kürzen.

Er nannte das Programm "Ich denke, also sing' ich". In einem kleinen Theater in Hamburg, der "SchlapplacHHalde" erblickt es am 30.5.1998 das Licht der Welt.

Folge 2: 1998

Berlin – Die Scheinbar & Das Chamäleon – Das Programm "Ich denke, also sing' ich" – Die CD zum Programm

Kaum war Bodo in Berlin, begann er dort aufzutreten. Er fand ein kleines Theater, die "Scheinbar"* im Stadtteil Schöneberg, die jeden Mittwoch eine "Open Stage" anbietet. An diesem Abend können alle Künstler, die sich trauen, ihre Stücke vortragen. Das Programm ist völlig improvisiert, das Publikum weiß das und kommt genau deswegen. Bodos Erfolg dort war so spontan wie sein Auftreten. Trotz des nach wie vor wenig ausgefeilten Auftretens und des noch recht laienhaften Gesangs begeisterte er auch in der Hauptstadt das Publikum* sofort – wahrscheinlich, weil er einfach alles gleichzeitig macht.

Auch seine zukünftige Agentin, Silke Marthen*. Sie saß bei einer der "Open Stages" im Publikum und war hingerissen. Ihr wurde sofort klar, dass in Bodo Potential für einen guten Kabarettisten steckte. Sie sprach ihn nach der Show an und innerhalb weniger Wochen kam ein exklusiver Management-Vertrag zustande.

Dabei war beiden auch gleich klar, dass Bodo nicht in die zu diesem Zeitpunkt beginnende Comedy-Welle passte, dass er anders gestrickt war und einen ganz anderen Humor vertrat. Auch war er ja noch sehr jung, 21 Jahre, und auch deshalb vereinbarten beide, dass sein Vorankommen in langsamen und gut beschützten Bahnen verlaufen sollte. Keine schnelle Fernsehkarriere, bei der man nach einem Jahr wöchentlicher Shows völlig ausgelaugt und verbrannt ist und das Publikum sich satt gesehen hat. Statt dessen ein langsamer Aufbau, der den vielen Interessen, die Bodo* hatte und hat und zu dieser Zeit auch dem Studium, gerecht werden konnte.

Bodo schaut in die Kamera

Der nächste Schritt waren Auftritte in einem größeren Theater in Berlin. Auch das "Chamäleon-Theater"* veranstaltete wochenends ähnlich der Schmidt-Show in Hamburg gemischte Shows, bei denen mehrere Künstler auftraten. Für diese konnte man sich bei einer Jury bewerben, denn in jeder Show wurde auch ein neuer Künstler präsentiert. Bodo versuchte sich auch hier, und auch hier wurde er genommen. Er trat in einigen Wochenendshows auf, mit wachsendem Erfolg, und wurde so populär und beliebt, dass die Theaterleitung ihn für eine ihrer regulären Shows engagierte.

Im Winter 1998/99 inszenierte Detlef Winterberg* die Show "Pa(a)ranoia", in der Bodo Conférencier war und viele seiner eigenen Stücke spielen konnte, darunter auch endlich mal wieder Quand même, je t'aime, ab dann mit Blanche Elliz*.

In den Zeitraum dieses rasanten Aufstiegs in Berlin fällt auch die Produktion der ersten eigenen CD. Anfang 1998 hatten wir erkannt, dass nun genügend Lieder da waren, um das gesamte Repertoire als ein abendfüllendes Programm zusammenzufassen. Bodo brauchte einige Zeit, bis ihm spontan der Titel "Ich denke, also sing' ich" einfiel – so ist es mit den meisten seiner Ideen: erst grübelt er lange ohne ein auch nur annähernd akzeptables Ergebnis, und dann lacht er sich ganz plötzlich über seinen eigenen spontanen Einfall schlapp. So war es zum Beispiel auch viel später bei der "Tragekomik"*.

bodo_live_1996_inlay

Schon etwas mehr als ein Jahr nach Erscheinen der NDR-Promotion-CD "Bodo live – Das Konzert" war die Auflage ausverkauft. Da Bodo zudem mit dieser Aufnahme, seinem eigenen Spiel und den Liedern nicht mehr zufrieden war, entschlossen wir uns, die "Premiere" des Programms (dessen Bestandteile alle schon mehrfach aufgeführt worden waren) in Hamburg zur Aufnahme einer CD zu nutzen. Damals war alles noch sehr improvisiert: das Theater, die "SchlapplacHHalde"* residierte im Gemeinderaum der katholischen Gemeinde an der Rentzelstraße, die Werbung machten wir mit Schwarzweiß-Kopien von Handzetteln auf den Tischen in der Uni-Mensa*, der Tonmeister der Aufnahme war ein alter Schulfreund von mir. Nur für den Flügel haben wir damals schon unglaublich viel Geld ausgegeben. Es sollte ja gut klingen. Das allerdings setze Bodo derart unter Druck, dass er jeden Tag der Aufnahme (insgesamt spielte er drei Tage) bis 3 Minuten vor Einlass vor dem Instrument saß und vor allem die klassischen Zitate in Hört ma' zu! übte.

Das Programm wurde ein durchschlagender Erfolg. Die Nachbearbeitung und der Zusammenschnitt der drei Tage zu einem einzigen Konzert waren ein großer Spaß. Und da Stefan*, der Tonmeister, anschließend beschloss, die ganze Sache professionell zu betreiben, sind wir ihm und seinen Kollegen bis heute treu geblieben. Es gibt keine Audioveröffentlichung von Bodo, an die Stefan nicht Hand angelegt hat.

Für die Gestaltung der CD fuhr Gordon, ein Fotograf, den ich über meine Film-Freunde kannte, nach Berlin und dokumentierte Bodo bei seinen Auftritten im Chamäleon. Diese Fotos gaben wir dann Bettina, einer Bekannten einer Bekannten von Gordon. Was war das für ein Glück! Wie Stefan ist auch sie eine treue Seele der ersten Stunde, die bislang alle Veröffentlichungen von Bodo gestaltet hat, von der ersten CD an bis zur aktuellen Veröffentlichung "Noah war ein Archetyp".

Bodo im Spot

Für die gesamte Produktion der CD zeichnete ich mich verantwortlich. Neben Regisseur und Techniker war das mein dritter Job für Bodo. Ich hatte inzwischen das erste Jahr meines Regiestudiums in Hamburg hinter mich gebracht, an dessen Ende die Erkenntnis stand, dass mich dieses Studium nicht auslastete. Da mir auch die Organisation von Theater und anderen Veranstaltungen lag und Spaß brachte, habe ich den Produzentenjob gerne übernommen und führe ihn bis heute aus.

Neben der Fertigstellung der CD standen schon 1998 immer mehr Tourneetermine auf dem Programm. Außer in Berlin waren Bodo und ich stets zu zweit unterwegs. Wir mussten uns alles selbst beibringen. Die Agentin faxte Bodo Infos über das Hotel und den Veranstaltungsort – beides war zu dieser Zeit oft noch nicht wirklich amtlich, er spielte in Scheunen und Gasthäusern irgendwo in der Provinz. Alles weitere mussten wir dann klären: welche Technik war vorhanden, wie konnte diese eingerichtet werden, wie viel Zeit gab es dafür. Oft waren die Antworten ernüchternd: "Technik? Äh, ja, Sie können die Deckenlampen an und aus schalten." "Für’s Einrichten braucht man eine Leiter, ich weiß nicht, ob ich die noch so schnell auftreiben kann." "Wozu braucht er denn ein Mikrophon?"

Einmal spielte er als Alleinunterhalter bei einem traditionellen Spargelessen auf einem großen Bauernhof. Es war die gesamte High Society der Umgebung geladen, und die klapperten mit ihrem Besteck lauter, als Bodo unverstärkt singen und spielen konnte. Wir hätten lieber mitgegessen als das zu ertragen.

Natürlich waren auch tolle Auftritte dabei, besonders die bei den vielen Wettbewerben, die Bodo fast ausnahmslos gewann. Zwischen den Auftritten huschten wir immer wieder ins Studio* und hörten Stefan beim Schneiden und Mischen der CD zu. Ich recherchierte nach Presswerken und machte mich mit den GEMA*- und GVL*-Spielregeln sowie CD-Spezifikationen vertraut. Wir fanden eine nette CD-Schmiede* (auch mit dieser arbeiten wir bis heute zusammen) und im Dezember 1998 war sie endlich fertig: 1.500 Stück der CD liefen vom Stapel, dreimal so viel wie von der NDR-CD.

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Das Record-Release von "Ich denke, also sing' ich" feierten wir im Dezember 1998 im "Schlachthof", der neuen Spielstätte der "SchlapplacHHalde", mit einem Konzert des gleichnamigen Programms, mit dem Bodo kurz zuvor zwei der "St. Ingberter Pfannen"* gewonnen hatte. Wir luden all unsere Freunde ein und es wurde ein grandioses Fest.


Folge 3: 1999-2000

Die ersten Tourjahre – Wettbewerbe und Preise – die "unterwegs"-CD

Seit 1998 wurde Bodo also vom "Kulturbureau Berlin"* und mithin von Silke Marthen "vermarktet". Das führte zu vielen interessanten Auftritten, von denen manche in die Annalen eingegangen sind, und andere eigentlich schnellstmöglich vergessen werden sollten.

Zum Beispiel der Auftritt bei einem Spargelessen in einer Scheune, eine der berühmten "Galas". So nennt man Auftritte, die nicht öffentlich sind und in der Regel vielfach besser bezahlt sind als die öffentlichen Auftritte. Das hiesige Publikum klapperte lauter mit dem Besteck als Bodo singen konnte, weil der Veranstalter nicht gedacht hatte, dass Bodo verstärkt werden sollte, wenn er vor 300 Leuten spielt. Außerdem gab es nur ein E-Piano, das zudem einen Wackelkontakt hatte, sodass es immer mal ausfiel. Unter anderem an der spannenden Stelle von "Ja, Schatz!". Direkt nach diesem Auftritt verfassten wir unsere erste Bühnenanweisung.

Bodo liest 2004 in Allensbach

Legendär ist auch der Auftritt zum neuen Millennium. Bodo war engagiert, in einem Einkaufszentrum in Neubrandenburg aufzutreten, für unsagbar viel Geld. Das war nicht der ausschlaggebende Faktor, wichtiger war, dass sich viele Freunde bereit erklärt hatten, mitzufahren: meine Freundin und ich und unser Tonmeister Stefan und seine Freundin mit wiederum einer Freundin. Es hätte also eine schöne Party werden können. Doch es kam ganz anders.

Neubrandenburg, die Metropole im Herzen der Mark. 31.12.1999. Ankunft im Einkaufszentrum. Ein L-förmiger Bau mit einer 3.000 Watt-Anlage und Bühne am einen Ende, auf der Schlagerbands spielen werden, und einer 180 Watt-Anlage in einem Eiscafé, in dem Bodo auftreten soll. Podeste? Eine Bühne? Keine Spur.

Wir finden noch zwei Podestelemente und improvisieren eine Bühne. Die Anlage reicht kaum aus, um Bodo bei absoluter Ruhe im Einkaufszentrum hörbar zu machen. Wie soll das bei gleichzeitiger Schlagermusik gehen?

Der Abend nimmt seinen Lauf. Ab 20:00 kommen die Gäste, die alle ca. 100 Mark für eine Eintrittskarte bezahlt haben, Getränke kosten extra. Um 21:30 fällt dem Caterer auf, dass er keine Spülmaschinen mitgebracht hat. Bis dahin stehen bereis 2.500 schmutzige Gläser herum, die aber niemand abspülen kann. Also gibt es ab 22:00 nur noch Bier, denn das kommt in Flaschen daher.

Gleichzeitig beginnt Bodos Auftritt. Er kann sich kaum Gehör verschaffen, nur die ersten 15 direkt an der Bühne sitzenden Menschen können ihn verstehen (darunter, Gott sei Dank, unsere Freunde!). Er beginnt mit seinem Programm "Ich denke, also sing' ich", während sich das Eiscafé schnell mit Gästen füllt. Die wollen aber keineswegs Bodo hören, sondern andere Getränke als Bier ordern, denn das Café ist neben dem Caterer der einzige verfügbare gastronomische Betrieb am Ort.

Bodo beim Ödipus in Heilbronn 2004

Leider verstehen die Menschen außerhalb der Reichweite der kleinen Boxen keinen Spaß, oder zumindest nicht Bodos. Er scheint sie zu stören, und sie versuchen ihn mit Tischfeuerwerk, das sie auf ihn abschießen, zu vertreiben. Bodo soll bis 24:00 durchhalten, und ich frage mich hinter meinem Tonmischpult mittlerweile, wie das gehen soll.

Doch Bodo weiß den Ausweg: er lässt sich mit Champagner vollaufen. Ein Glas fällt ihm runter, was er mit "Okay, die Handstandnummer, die ich jetzt eigentlich machen wollte, muss heute Abend leider ausfallen" quittiert. Über Ja, Schatz! lachen die Leute tatsächlich, was ihn dazu veranlasst, es bis Mitternacht noch ca. fünfmal zu spielen. Ödipus geht dafür völlig in die Hose, das geistige Fassungsvermögen der mittlerweile über 400 Cafégäste ist schon weit unter dem Niveau von Reim und darstellender Kunst.

Als nicht nur die Gäste im Café, sondern auch die im übrigen Einkaufszentrum aus Ärger über die miserable Organisation einer Revolte nahe sind, ist es glücklicherweise Mitternacht. Bodo zählt die letzten Sekunden ab und verabschiedet sich Punkt 12 mit den Worten "Macht's gut" von der Bühne und ins Bett.

Das war unser Silvester 1999/2000. Was sollen wir bloß mal unseren Kindern erzählen? "Papa, wo warst Du zur Jahrtausendwende?" "In Neubrandenburg, wo mein bester Freund mit Tischfeuerwerk beschossen und mit Zitroneneis beworfen wurde."

Und das war noch längst nicht alles.

Am nächsten Morgen bezahlte uns der Veranstalter mit 10 und 20 Mark-Scheinen: den Einnahmen aus dem Catering. Als ich zur Abrechnung ins Zimmer kam, war das Geld in unzähligen kleinen Häufchen auf das Doppelbett verteilt.

Bodo im Pnzerknacker T-Shirt mit der Nummer 176 - 671 auf der Brust

Das Hotel hatte nicht genügend Brötchen auf Lager, und wir mussten warten, bis sie die Bestände sämtlicher Tankstellen im Umkreis aufgekauft hatten. Die Brötchen wurden rationiert und jeder bekam dazu ein kleines Stück Butter. Marmelade? Honig? Fehlanzeige.

Am Tisch lästerten wir lauthals über die Veranstaltung und die Organisation. Schließlich gab sich der Mann neben uns als Chef der Veranstaltungsfirma zu erkennen. Noch nie zuvor war mir so eine Situation nicht peinlich.

Auf der Rückfahrt beruhigten uns die Wiener Philharmoniker mit ihrem Neujahrskonzert*. Das war ein Glück.

Doch neben diesen Extrembeispielen gab es auch viele schöne und unvergesslich tolle Auftritte. Wir besuchten so schöne Städte wie Bochum, Bietigheim-Bissingen, Berkatal und Gaggenau. Bodo trat zum ersten Mal im Quatsch Comedy Club* auf, der damals noch in Hamburg residierte. Wir trafen viele Künstlerkollegen, darunter Lalelu* in Neunkirchen (einem der neun Neunkirchen in Deutschland; wir wären fast ins falsche gefahren), und wir lernten bei weiteren Galaauftritten uns bis dahin völlig fremde Lebenswelten kennen. Ohne Bodo hätte ich z.B. nie gelernt, was Business to Business* bedeutet (Bodo dazu: "Business to Business – was is'n dess?").

Beeindruckend war auch der Auftritt bei der Internationalen Anlegermesse in Düsseldorf (IAM), für die Bodo extra einen Text schrieb. Er wurde als Redner bei einem Forum zum Thema "Moderne Anlageformen" vorgestellt und hielt einen absurden Vortrag über die Chancen an der Börse. Die meisten Zuhörer begriffen die Verballhornung erst, als er seine Analyse "Dann fällt der Dax" mit einem vom Rednerpult geworfenen Stofftierdachs unterstrich. Anschließend stimmte er mit den anwesenden Top-Anlageberatern der Republik den für diesen Anlass komponierten IAM-Song an; was für ein Vergnügen!

Scheinbar 2005 Bodo am Tisch

Ein anderer toller Auftritt fällt mir noch ein: Singen. Bodo sollte in Singen singen. Singen gibt es allerdings auch mehrfach, ähnlich wie Neunkirchen. Es sollte ein Brunch mit Kabarett geben, also ein sehr früher Auftrittstermin. Deshalb war der Veranstalter so nett, uns am Vorabend von der Show in Brackenheim abzuholen. Wir dachten uns nichts dabei, denn das Singen, das ich auf der Landkarte gefunden hatte, war nur 50 Kilometer entfernt. Nach 3 Stunden Fahrt über die Autobahn wurde uns klar, dass wir uns am Bodensee wiederfanden. Wir fielen todmüde in unsere Betten in der Pension.

Am nächsten Morgen sollten wir um 9 vor der Haustür stehen, der Veranstalter würde uns abholen. Ab neun Uhr warteten wir also und starrten auf einen kahlen Weinberg gegenüber der Pension. Wir glaubten uns in einem Film, denn das ganze Dorf war wie ausgestorben. Kein Wunder, am Sonntagmorgen um 9 Uhr. Niemand kam, um uns zu holen. Waren wir vielleicht entführt worden? Nach 20 Minuten fingen wir an, laut über unser Schicksal zu lachen, da kam der Veranstalter endlich. Er fuhr uns durch das völlig verlassene, verschlafene, schlafende Dorf zu einer Scheune, in der auch die hiesigen Feuerwehr-Choraufführungen stattfanden. Dort war ein unglaubliches Büffet aufgebaut, ein gestimmter Flügel stand bereit, und um 11 Uhr öffneten sich die Scheunentore. Bis halb zwölf war dann ein einziger Gast gekommen, die Tante des Veranstalters. Der zahlte uns daraufhin pflichtbewusst Bodos Gage aus und schickte uns nach Hause.

So etwas ist glücklicherweise bis heute nie wieder passiert.

Bodo mit einer Sonnebrille, in der sich die Klaviertasten spiegeln

Die beiden Jahre 1999 und 2000 waren auch die Jahre vieler gewonnener Preise: der Handelsblatt-Förderpreis "Sprungbrett"*, der "Halterner Kiep", der "Magdeburger Kugelblitz", der Münsteraner "Wiedertäuferpreis", der Bielefelder Kabarettpreis (ein an die Wand genagelter Pudding) und viele mehr. Ein Kollege von Bodo sagte mal "Die Bedeutung des Preises ist umgekehrt proportional zur Stupidität des Namens". Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, als wir in der Halterner Mehrzweckturnhalle, die mit 1.000 Zuschauer gerappelt voll war, hinter der Bühne saßen und auf die Verkündung des Preisträgers warteten. Als Bodos Name fiel, sahen wir uns an und konnten es nicht glauben. Erst Ingo Börchers*, der hinter die Bühne gerannt kam, um zu gratulieren, riss uns aus unserer Apathie. Ein toller Abend!

Neben diesen euphorischen Momenten gab es auch Enttäuschungen. Denn Bodo hat längst nicht alle Wettbewerbe gewonnen, an denen er teilgenommen hat. Beim "Paulaner Solo"* in München schaffte er es nicht einmal in die Endrunde, beim "Prix Pantheon"* wurde – unserer Meinung nach – unfair ausgezählt. Das beschäftigte uns lange, wir dachten wütend über Leserbriefe an die Zeitungen und Protestschreiben an die Jury nach. Doch nichts davon war erfolgversprechend, und anstatt als schlechte Verlierer dazustehen, entschieden wir uns, mit der Enttäuschung umgehen zu lernen.

Während wir mit dem Programm über die Dörfer tingelten, entwickelte Bodo die Lieder immer weiter und schrieb viele neue Stücke. Das brachte uns Anfang 2000 zu dem Entschluss, eine neue Aufnahme vom Programm "Ich denke, also sing' ich" machen zu wollen. Hierzu bot sich eine Serie von Auftritten im Düsseldorfer "Kommödchen"* im Mai 2000 an. Wir luden unseren Tonmeister Stefan und seinen Kollegen Frank nach Düsseldorf ein und produzierten unsere zweite CD: "Ich denke, also sing' ich" die 2., die wir – weil sie auf und während der Tour 1999/2000 maßgeblich entstanden war – "unterwegs" untertitelten. Dazu luden wir noch Blanche Elliz* ein, eine Kollegin von Bodo, mit der er schon im Chamäleon-Varieté das Stück Quand même, je t'aime gemeinsam sang, um dieses auf die CD zu bringen. Es war eine schöne gemeinsame Woche.

Backstage bei der Aufnahme von Ich denke also sing ich

Das Motto "unterwegs" sollte auch auf dem Cover zu sehen sein. Wie ist ein Kabarettist unterwegs? Das Ergebnis kennt ihr alle: Bodo an einer Tankstelle, der Flügel hinter ihm in der Werkstatt. Wir fanden mithilfe des Photographen Harald Köster eine freie Tankstelle in Köln, die wir dafür mieten konnten. Ein befreundeter Klavierbauer lieh uns noch einen alten Flügel, ich legte mich als Mechaniker darunter und Harald drückte ab. Erst wollten wir Bodo als coolen Künstler darstellen und drückten ihm zu diesem Zweck eine Zigarette in die Hand. Die ersten drei Auflagen der CD bis Ende 2004 zeigen Bodo daher rauchend, obwohl er Rauchen völlig bescheuert findet. Glücklicherweise hatten wir auch noch Bilder von ihm mit der Lyra des Flügels unterm Arm gemacht, und so konnten wir das Bild später austauschen. Ich gebe zu: er hat recht. Mit der Lyra ist es viel besser.

Die CD erschien erst im Februar 2001. Ein heftiger Liebeskummeranfall, der Bodo viel Zeit, Energie und kreative Lust und Freude geraubt hatte, warf uns auch in der Postproduktion der CD um viele Monate zurück. Wir präsentierten die CD schließlich im "Grünen Salon"* der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, in dem Bodo zu dieser Zeit regelmäßig spielte.

Berichte über die Auftritte dort und den Techniker vor Ort würden noch einmal drei Seiten füllen. Darum ende ich für heute lieber an dieser Stelle.

Folge 4: 2001

Das Auf und Ab des Tourneealltags – viele weitere Preise: Arosa, Banz und die Folgen

2001 wurde das Kabarettistendasein langsam zur Routine – packen, Bahn fahren, Soundcheck, auftreten, im Hotel schlafen, wieder packen, weiterfahren, Soundcheck usw. Das klingt alles eintönig und einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Im Gegenteil: es hat viele Tücken.

Bodo auf der Bühne in Banz
Jeder Auftritt ist anders. Es wäre ein eklatanter Fehler, einen Auftritt in dem Glauben zu beginnen, zu wissen, was passieren wird. Jeder Auftrittsort und jedes Publikum, auch jeder Tag des Künstlers birgt seine Überraschungen und damit das Potential, eine einmalige Show zu gestalten. Das ist natürlich sehr herausfordernd für den Künstler.

Außerdem ist Bodo ständig von zuhause fort, immer unterschiedlich lang. Auch das verhindert, dass das Tourleben alltäglich wird. Es stellte ihn vor ganz banale Fragen wie: lohnt es sich, jetzt ein großes Glas Joghurt zu kaufen, morgen muss ich wieder auf Tour, bin tagelang weg, der ist bestimmt schlecht, bis ich wieder da bin. Wer leert meinen Briefkasten? Aber auch die großen Fragen stellen sich: wo bin ich eigentlich zuhause? Eine Sehnsucht nach Geborgenheit dringt an die Oberfläche, die man nur schwer stillen kann.

Auf einer großen Tour verbringt er jeden Abend in einem anderen Hotel. Zudem gibt es in den meisten nur bis 10 Uhr Frühstück, was bedeutet, nur wenig zu schlafen.

Zugleich gilt es, die alltäglichen Künstlerbedürfnisse unterzubringen: Bodo muss üben, will komponieren, Körperübungen machen und sich neue Texte und Lieder ausdenken. Wann ist dafür Zeit? Im Zug, aber dort kann man sich nur schwer konzentrieren. Und die vielen Fan-Emails wollen ja auch noch beantwortet werden. Denn im Jahr 2001 eröffneten wir Bodos erste Website.

In der ersten Jahreshälfte 2001 prasselten diese Fragen und Anforderungen geballt auf Bodo ein, denn sie führte ihn auf seine bis dahin längste Tour. Drei Monate lang war er ununterbrochen unterwegs. Währenddessen absolvierte er so grandiose Auftritte wie den bei der Freiburger Kulturbörse*, einer wichtigen Messe für Veranstalter und Agenturen.

Bodo Tanzshow
Auch die bereits im Jahr 2000 erfolgreich durchgeführte Tournee mit der "United Slapstick Show", eine von Detlef Winterberg* inszenierte Varieté-Show mit den Künstlern Sammy Tavalis, Elliot und Bodo wurde wieder aufgenommen. Sie kam noch einmal zwei Wochen lang in der UFA-Fabrik in Berlin und in der Bonner Springmaus* zur Aufführung. Beides wurde wiederum ein Riesenerfolg und sogar vom Fernsehen aufgezeichnet. In dieser Show waren zwei absolute Perlen aus Bodos frühem Werk zu sehen: eine Version von Quand même, je t'aime mit dem als Frau verkleideten Elliot und Heute Nacht. Diesen Abschiedssong hatte Bodo 1997 für eine Show mit der Besetzung seines Debütkonzertes geschrieben und später vielfach variiert.

Zwischen diesen vielen Tourneeterminen, die oftmals auch sehr verteilt in der ganzen Republik stattfanden und für die Bodo täglich viele Stunden im Zug verbrachte (und auch heute noch verbringt), standen immer wieder größere Aktionen im Terminplan, wie z.B. CD-Aufnahmen, Video-Mitschnitte oder die Vorbereitung einer speziellen Show. Dazu gehörten Moderationen, die erfunden werden wollten, Songs zu bestimmten Anlässen, die er schrieb und natürlich Proben mit Kollegen, die durchzuführen waren. Darunter fielen so erinnerungswürdige Auftritte wie der mit Kurt Krömer* in der Rolle der Iokaste im 2. Teil des Dramas um König Ödipus.

Bei so viel Belastung drängten sich private Bedürfnisse stärker in den Vordergrund, denn je mehr Zeit Bodo auf die Arbeit verwandte, um so mehr spürte er auch diese persönlichen Bedürfnisse in sich. Wann sieht man seine Freundin, wenn man 150 Tage im Jahr unterwegs ist? Wann trifft man noch seine Freunde? Kann man überhaupt Freunde außerhalb des Kollegenkreises haben? Verstehen die, dass er so wenig und so unregelmäßig Zeit hat? Kann irgendjemand, der nicht auf Tour ist und auftritt, die Lebensumstände nachvollziehen, in denen er, Bodo, sich befindet?

 Bodo sitzt am Flügel beim promoshooting 2001
Noch immer haderte er damit, ganz und gar Künstler zu sein. Obwohl er seit seinem Umzug nach Berlin von seinen Gagen leben konnte, war er noch immer an der Hochschule der Künste als Musikstudent im Lehramtsstudiengang eingeschrieben. Das Musikstudium führte er auch durch: schließlich erhielt er kostenlosen Klavier- und Gesangsunterricht. Den Deutschkurs allerdings hat er nie besucht. Das brachte ihn später in einige Schwierigkeiten, denn schließlich muss man in Berlin auch als Musiklehrer ein zweites Fach lehren können.

Einiges an seinem Studium hat ihn richtig begeistert, so z.B. die Schulpraktika. Sein erstes Praktikum führte ihn gleich nach Hongkong. Er suchte sich eine deutsche Schule im Ausland aus, weil er gerne mehr von der Welt sehen wollte. Natürlich war er auch dort nicht nur Lehrer; wie auch bei späteren Reisen ins Ausland endeten seine Aufenthalte immer damit, dass er mehr oder weniger große, mehr oder minder öffentliche Konzerte gab. Diesmal war es im Goethe Institut, und er hinterließ einen bleibenden Eindruck als der, der er nun mal hauptsächlich ist: ein waschechter Klavierkabarettist. Das war und ist die Quintessenz aus seiner Studienzeit, doch bis diese Erkenntnis sich ganz und gar durchzusetzen vermochte, vergingen noch einige Jahre.

Kunst kann schließlich auch schnell brotlos werden. Wer selbständig ist, weiß, wovon ich spreche. Wer kann schon sagen, was morgen wird. Wenn Bodo mal nicht mehr auftreten wollte, es ihm zu anstrengend würde, er sich mehr um Freunde oder eine eigene Familie kümmern wollte, dann wäre es natürlich angenehmer, fest angestellt oder gar – als Lehrer – verbeamtet zu sein. Oder was wäre, wenn ihm mal etwas passierte, ein Unfall vielleicht, oder ihm das Alter schneller zusetzte als er es sich wünschte? Womit könne er dann noch Geld verdienen? Eine Rente gäbe es nicht automatisch, da müsste er sich schon selbst kümmern.

All das beschäftigte ihn sehr – und tut es noch heute.

Auch 2001 hagelte es wieder Preise. Unter anderem erhielt Bodo den von Hanns-Dieter Hüsch* ins Leben gerufenen Preis "Das schwarze Schaf vom Niederrhein"*. Zwei weitere Preise öffneten Bodo die Türen zu Auftrittsorten und Erlebnissen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die zugleich beide zu Konstanten in seinem Tourleben wurden.

Bodo ist in Arosa bei einem Snowboardsprung hoch in der Luft

Im Winter 2001, kurz nach der Produktion seines ersten Promotionvideos, das wir im Werk9 aufnahmen, war er zu Gast im schweizerischen Arosa zum "Aroser Humorfestival"*, einer einwöchigen Veranstaltungsreihe mit weit über 20 auftretenden Künstlern. Die Veranstaltungen finden zu einem großen Teil in einem extra dafür aufgebauten Zelt inmitten des Skigebietes auf 2000 m Höhe statt, das man nur zu Fuß oder mit einem Lift erreicht. Für Bodos Auftritt hatten sie sogar einen Flügel auf den Berg gebracht!

Arosa* ist ein prominenter und doch überschaubarer Skiort in Graubünden. Mir scheint, verglichen mit St. Moritz ist es so wie Amrum zu Sylt. Nach Sylt fährt man als Promi, um gesehen zu werden und zu zeigen, dass man sich auch in diesem Jahr das neueste Porsche-Modell leisten kann. Nach Amrum fährt man, weil man seine Ruhe haben will. Und so kommt auch Arosa zurückhaltend, still, unprätentiös daher. Zwar gibt es auch hier 5-Sterne-Hotels – wir waren sogar in einem Robinson-Club untergebracht mit allem Drum und Dran – aber man macht sich nichts daraus.

Die Veranstalter dort und alle Mitwirkenden gehören für uns seit der ersten Begegnung 2001 zu den nettesten Menschen, die wir auf Tour kennengelernt haben. Wie immer bei solch wichtigen Auftritten, war ich auch bei diesem dabei. Bodo und ich hatten eine tolle Zeit; damals lag im Dezember auch schon Schnee in den Alpen, den man heute um diese Zeit noch schmerzlich vermisst. Wir sind gerodelt und Ski gefahren, haben Bergwanderungen unternommen und es uns in der Hotelsauna gut gehen lassen. Bodo trat mit dem Liebeslied in der Gala-Fernsehshow des Festivals auf und später noch mit einem 45-minütigen Auszug aus "Ich denke, also sing' ich".

Nachdem wir eine tolle Woche erlebt hatten (Fotos davon sind in der Bildergalerie zu sehen), wollten wir natürlich den letzten Abend im Zelt nicht verpassen. Als wir kamen, war es schon gerappelt voll, immerhin trat Michael Mittermeier* auf. Nach der Show kam der Moderator auf die Bühne und erzählte irgendetwas von einem Preis, der noch vergeben würde, und für den nun noch die Stimmen des heutigen Abends ausgezählt werden müssten. Aha, ein Preis wird vergeben, dachten wir uns, und bevor wir uns noch recht darüber klar wurden, was das bedeutete, trat Martin Vinzenz, Veranstalter und Moderator, wieder auf die Bühne und verkündete in astreinem Schwyzerdütsch, das wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht recht gut verstanden, dass der Gewinner des Aroser Schneesterns 2001 Bodo Wartke sei. Der Preis wurde ihm sogleich vom Vorjahressieger, Michael Mittermeier, überreicht: darum trägt Bodo auf den Photos so einen lässigen Kapuzenpulli: Er war einfach nicht auf dieses Ereignis vorbereitet.

Bodo erhaelt in Arosa 2001 stolz seinen Preis von Michael Mittermeier

Da jeder Preisträger im Folgejahr sein ganzes Programm im Zelt zum besten geben darf, waren wir also automatisch auch 2002 wieder zum Festival eingeladen. Seitdem ist Arosa – mit Ausnahme diesen Jahres – ein jährliches Highlight in unser beider Terminkalender. Wir sind so gerne dort, haben schon viele Hotels des Ortes ausprobieren dürfen (und können uns nur schwer für ein Lieblingshotel entscheiden), genießen immer wieder die entspannte und ruhige Art der Schweizer und seit letztem Jahr auch ein hervorragendes thailändisches Restaurant – das erste in der Stadt.

Der zweite Preis, der zu einer dauerhaften Einrichtung in Bodos Tourplan führte, wurde ihm zuvor im Sommer 2001 von der Hanns-Seidel-Stiftung überreicht: der "Nachwuchsförderpreis für junge Songpoeten". Dieser Preis ist eng mit einem Sommer-Open-Air verknüpft, den "Songs an einem Sommerabend"*, die nunmehr seit 20 Jahren auf einer Wiese gegenüber des altehrwürdigen Kloster Banz* in Franken stattfinden. Dieser Liedermacherabend hat sich seit seiner Gründung, an der Reinhard Mey* maßgeblich beteiligt war, einen festen Namen in der Szene gemacht. Jahr für Jahr kommen an den beiden Abenden zusammen rund 8.000 Menschen auf die "Klosterwies'n" und lassen sich bis spät in die Nacht von rund 10 verschiedenen Interpreten und Gruppen aus den Bereichen Schlager bis Chanson, von Liedermacherei bis Musikkabarett unterhalten.

Teil der Nachwuchsförderung der Stiftung ist es nun, die "jungen Songpoeten" im Vorprogramm dieses Festivals auftreten zu lassen. Was soll ich weiter sagen: Bodo hat abgeräumt. Es war ein unglaublicher Abend. Um 19:00 begann die Show und um 19:30, nach Bodos Auftritt, waren die 4.000 Leute auf der Wiese aus dem Häuschen. Sie haben ihn spontan geliebt! Es war ein unglaublich tolles Erlebnis.

Bodo am Flügel auf der Bühne in Banz

Wir hatten eine Woche in dem luxuriösen Kloster verbracht (inkl. Sauna und Dampfbad), hatten bei schönem Wetter viel Zeit mit Spaziergängen verbracht, hatten viele Künstlerkollegen kennengelernt und nun das: ein voller Erfolg! Danach dachte ich, alles wäre klar, also bin ich noch vor dem zweiten Auftritt am Samstag nach Hause gefahren. Das war ein Fehler, doch das erkannte ich erst, als mich am Samstagabend ein völlig aufgelöster Bodo anrief, um mir Folgendes zu berichten:

An diesem Abend hatte es kurz nach dem Vorprogramm sehr stark zu regnen angefangen. Das tut es auf Banz und vor allem während der Konzerte gerne mal – scheinbar hatten wir am Freitag großes Glück gehabt, das es nicht geschah. Die Wiese weichte auf, die Leute kamen unglaublich schlecht drauf, die Musikdarbietungen mussten – schon um die Instrumente auf der nicht überdachten Bühne nicht in Gefahr zu bringen – abgebrochen werden. Den Veranstaltern war Bodo am Vortag allerdings ebenso positiv aufgefallen wie dem Publikum, und so glaubten sie allen Ernstes, er wäre nun ihre Rettung. Sie schickten ihn auf die Bühne, um eines seiner Gedichte vorzutragen, schließlich konnte dabei kein Instrument Schaden nehmen. An den Künstler, der in so einer Situation durchaus Schaden nehmen kann, dachte leider niemand.

Er entschied sich für Ödipus, das Witzigste, was er im Repertoire hatte. Zudem spielt dabei das Publikum so stark mit; er dachte, dass wäre ein Clou. Doch es funktionierte überhaupt nicht. Ein Publikum, das für "Songs" kommt, hat naturgemäß nicht unbedingt Sinn für Klamauktheater. Schon gar nicht, wenn es nass ist und friert. Noch nie – und danach auch nie wieder – ist Bodo für diese Nummer ausgebuht und schließlich von der Bühne gejagt worden.

Nach diesem Auftritt war er schockiert. Die Veranstalter hatten ihn verheizt. Und wir schworen uns: Nie wieder Banz! Heute wissen wir es besser: in wenigen Tagen wird Bodo die 20. Ausgabe der Songs sogar selbst moderieren. Wie es dazu kam, erzähle ich in den nächsten Folgen an gleicher Stelle.

Folge 5: 2002

Ein ganz normales Jahr

Nach fünf Jahren gemeinsamer Zeit traten im Jahr 2002 einige Veränderungen in der Beziehung zwischen Bodo und mir ein. Während sich Bodo in seinem Beruf des Kabarettisten immer mehr etablierte, gingen wir beide für eine Weile getrennte Wege.

Einen Anlass dazu hatte jeder von uns gegeben: Bodo kam auch nach über einem Jahr über seinen Liebeskummer nicht hinweg, und ich hatte große Schwierigkeiten, ihm in dieser Situation noch zur Seite zu stehen. Die Schleife, in der er steckte, stresste mich zusehends und ich wollte Abstand dazu gewinnen, damit ich Bodo nicht mehr nur mit diesem Dauerstress verband. Meinerseits schloss ich 2002 mein Studium ab und suchte nun nach Möglichkeiten, mich in meinem Regie-Beruf zu betätigen. So war es zu einer Zusammenarbeit mit zwei älteren Kollegen und damit zu Projekten für mich gekommen, die meine gesamte Zeit auffraßen, nicht nur in diesem Jahr, sondern auch noch weit bis ins Jahr 2004 hinein.

Bodo bei Jugend kulturell 2002

Aber so lange habe ich es ohne den lieben Bodo auch nicht ausgehalten, und als sich der Liebeskummer dann doch endlich etwas legte, also Ende 2002, hockten wir schon wieder bei Wiederaufnahmeproben für "Ich denke, also sing' ich" zusammen und schlittelten gemeinsam die Pisten in Arosa runter. Das sogar einmal nachts, nicht ahnend, dass sie zu dieser Zeit mit den Riesen-Pistenraupen über die Hänge fahren und alles plattpflügen, was ihnen in den Weg kommt. Mann, hatten wir Schiss!

Unsere Distanz hatte zur Folge, dass Bodo einen anderen Menschen finden musste, der bei seinen Auftritten die Technik fahren konnte. In München traf er Daniel, der dort in einem angesagten Veranstaltungsort als Techniker engagiert war, der aber nebenbei durchaus Zeit hatte, mit Bodo zu touren. Als ich die beiden zum ersten Mal sah, dachte ich, dass es zwei unterschiedlichere Menschen kaum geben könnte. Das merkten die beiden auch bald, und zumindest was das Tourleben angeht, passten sie leider einfach nicht zusammen. So kam es schon nach nur einem Jahr wieder zur Trennung. Da jetzt jeder seiner Wege geht, verstehen sie sich gut und treffen sich bei Gelegenheiten in München. Wie Bodo sagen würde, passten die Bedürfnisse nicht zusammen. Dann ist es besser, man trennt die Dauerbeziehung und kann danach jene Momente, Zeiten und Gelegenheiten, in denen es gemeinsam gut ist, richtig genießen.

Die Tour an sich verlief weiterhin prima. Bodo gewöhnte sich – soweit das geht – ans Unterwegssein und begann, sich in diesem Lebensrhythmus einzurichten. Einfach war das nicht, doch er nahm die Herausforderung an, und trotzdem er sich wünschte, öfter zuhause zu sein, mehr Ruhe zu haben und mehr Zeit mit sich und seinen Freunden zu verbringen, kam er gut zurecht. Er hatte Mut und stürzte sich voll in die Arbeit.

Bodo und Sven warten in Banz

Unter anderem war er wieder auf Kloster Banz beim "Songs"-Open Air dabei. Diesmal spielte er im Hauptprogramm, was von den Veranstaltern als eine Art Wiedergutmachung für das Fiasko im Jahr zuvor gemeint war. Bodo "räumte ziemlich ab", wie er sagt. Die Leute gerieten komplett aus dem Häuschen, sie wollten unbedingt eine Zugabe haben. Doch das Fernsehen wollte den Zeitplan einhalten und bat sie zur Ruhe. Die wiederum ließen sich das nicht gefallen und von da an geriet die Situation außer Kontrolle. Die Moderatorin konnte die folgende Künstlerin nicht ansagen, weil die Rufe und Pfiffe zu laut waren, und ging wieder von der Bühne. Nach Minuten der Ratlosigkeit sprach dann der Regisseur über die Lautsprecheranlage ein Machtwort. Doch das brachte die Zuschauer nur momentan zur Ruhe, ab da wurde bei jedem Künstler wieder lautstark nach "Bodo! Bodo! Bodo!" gerufen. Die Veranstalter sahen sich veranlasst, Bodo für den zweiten Abend ans Ende der Show zu setzen, damit das nicht nochmal passieren konnte.

Wir dachten, "hätten sie ihn doch eine Zugabe spielen lassen, es wäre viel schneller vorbei gewesen und hätte viel weniger Unmut verursacht". Es missfiel uns vor allem, dass das Publikum hier als so eine Art "Klatschvieh" missbraucht wurde: "Seid gut drauf, applaudiert, aber haltet ansonsten den Mund". Wieder hinterließ diese Veranstaltung viel Skepsis in uns. Und doch kamen wir später wieder.

Ende 2002 begannen wir mit den Vorbereitungen für das neue Programm. Bodo wollte so gerne ein neues Programm herausbringen, auch seine Agentin legte uns das nahe, doch bislang war er nicht sehr kreativ gewesen. Liebeskummer kostet selbst die erfindungsreichsten Menschen jegliche Inspiration, und so war es auch bei ihm. Es gab also nur ein paar einzelne Lieder, wenige Fragmente und noch eine Handvoll Ideen, von denen wir aber längst nicht wussten, wohin sie führen würden. Trotzdem setzten wir einen Premierentermin fest: September 2003. Noch ein Jahr. Das erschien uns sehr wenig, und angesichts der vielen anderen Aktivitäten, die 2003 noch anstanden und unternommen wurden, war es sogar noch weniger Zeit.

Folge 6: 2003

Achillesverse

Das Jahr 2003 sollte ganz unter dem Stern des neuen Programms stehen. Doch Bodo hatte auch noch andere Bedürfnisse, und so wurde das Erarbeiten des Programms eher in den Zwischenzeiten erledigt.

Ab Januar setzen wir uns zusammen und grübelten über einen roten Faden, den das Ganze haben könnte. Wir wollten ein Thema finden und mussten einen Titel kreieren, unter dem das Ganze verkauft werden konnte. Doch wie macht man überhaupt ein Programm? Das erste – "Ich denke, also sing' ich" – war eher nebenbei entstanden. 1998 hatten wir alle bis dahin entstandenen Lieder in eine Reihenfolge gebracht, ein paar Moderationen erfunden, und los ging's. Danach veränderten wir das Programm permanent, und wer es 1998 gesehen hatte, konnte es sich problemlos 2000 nochmal ansehen und bekam eine völlig andere Show. Selbst bis 2002 hatten wir noch so vieles weiterentwickelt, dass auch dann wiederkehrende Besucher noch überrascht wurden.

Bodo Fotoshooting 2003

Wir führten zunächst einmal Gespräche darüber, was Bodo gerade besonders interessierte, was er ausdrücken wollte, was ihn bewegte. Wir versuchten, ein Motto zu finden, irgendetwas wie "Ein Abend mit Bodo Wartke". Das war auch eine Stimmung, es sollte intim sein, wir wollten Nähe erzeugen, es sollte so wirken, also plaudere Bodo aus dem Nähkästchen. Denn eines hatten die bis dahin geschriebenen Lieder gemeinsam: sie waren sehr stark durch private Vorkommnisse inspiriert. Einige Lieder, die zu eng am "wahren Leben" waren, haben wir nicht ins Programm genommen, doch auch die verwendeten atmen den Geist des tatsächlich Erlebten. Also wollten wir, dass auch das Programm diese Haltung bekäme: Bodo erzählt von sich und plaudert mit den Menschen über ... klar ... über die Liebe. Denn die meisten fertigen und unfertigen Lieder waren Liebeslieder. Die Figur, die auf der Bühne erschien, sollte einfühlsam, auch mal hilflos, auf jeden Fall verletzlich sein. Von da aus bis zum Titel "Achillesverse" war es dann inhaltlich nur noch ein kleiner Schritt. Und doch dauerte es viel Zeit, bis wir dort waren, denn zunächst interessierte sich Bodo für etwas ganz anderes.

Als der Plan, einmal hauptsächlich Musiker und Kabarettist anstatt Musiklehrer zu werden, reifte, verspürte Bodo den Wunsch, sich in diesem Beruf fortzubilden. Der Klavier- und Gesangsunterricht an der Uni war gut, doch vor allem für sein schauspielerisches Können wollte er noch etwas tun. Kollegen machten ihn auf Desmond Jones* aufmerksam, der eine Schule in London führte und dort Kurse anbot, in denen es vor allem um den physischen Aspekt des Schauspiels, um Körperbeherrschung, innere und äußere Ruhe und Gelassenheit sowie Timing und auch Artistik ging. Das klang sehr spannend, und die Aussicht, drei Monate in London zu leben und dort viele neue Menschen kennenzulernen, reizte ihn sehr. Ein paar weit im Voraus gebuchte Auftritte wurden verschoben, und im April 2003 fuhr er los. Seine Berliner Wohnung konnte er mit jemandem tauschen, der eine Wohnung in London besaß – wie praktisch, und so führte ihn sein täglicher Weg durch Kensington Garden* zur Schule. Auf diesem Weg hat er viele der Lieder des damals noch "neuen" Programms weiterentwickelt und fertiggestellt.

Bodo in Versailles

Der Unterricht in London weckte vieles in ihm auf und schuf vor allem das Bewusstsein für einige Bedürfnisse seines Körpers und auch für Fähigkeiten, die er vorher ungenügend oder gar nicht wahrnehmen oder artikulieren konnte. Die Zeit dort war die Grundlage für eine sehr interessante Entwicklung, die Bodo mit den Workshops bei Philippe Gaulier* in Paris fortsetzte und die eine wichtige Wende in seiner Art der Darstellung bewirkte.

So gingen sie dahin, die ersten drei Monate, die wir an dem neuen Programm hätten sitzen können. Noch vor seiner Zeit in London hatten wir beschlossen, diesmal die CD direkt bei der Premiere aufzunehmen, damit wir den Konzertbesuchern möglichst bald auch eine CD zum gerade gesehenen Programm mitgeben konnten. Das hatte ich alles in Bodos Abwesenheit organisieren können, aber nun brauchten wir ihn! Direkt nachdem er wieder da war, mussten wir schnell Pressefotos und Bilder für das Plakat machen.

Für das Fotoshooting fuhren wir nach Berlin, Bettina, der Fotograf Axel und ich. Wir besuchten Bodo in seiner Wohnung, wir wollten in den Bildern eine große Nähe zu ihm schaffen, wollten Bodo privat wirken lassen, ohne voyeuristisch zu sein. Das wollte sich zunächst nicht einstellen, weil Bodo sehr aufgeregt war und zu hohe Erwartungen an sich stellte. Doch Bettina, "unsere" umwerfend gute Grafikerin, fand in der Fülle an Bildern von diesem Nachmittag eines, das bei außergewöhnlicher Verwendung genau das auszudrücken vermochte, was wir beim Shooting gesucht hatten.

Photo zum Plakat von Achillesverse

Sie lud mich zu sich ein, nachdem sie mehrere Tage mit den Bildern in Klausur gegangen war. In ihrem Wohnzimmer hatte sie über 20 Entwürfe mit verschiedenen Fotos und in verschiedenen Farben gehängt. Doch mein Blick fiel sofort auf den, der schließlich auch ausgewählt wurde, und sie war sehr froh darüber, denn es war auch in ihren Augen die einzige Version, die den Kern des Mottos "Achillesverse" wirklich traf. Das Bild zeigt Bodo vor dem Hintergrund seiner gelben Küchentapete. Er hat einen nachdenklichen Gesichtsausdruck, denn wir hatten zum Zeitpunkt dieses Fotos gerade über das Shooting gesprochen. Wir saßen bei ihm am Frühstückstisch und Axel probierte verschiedene Einstellungen an der Kamera aus. Es war wie so oft das Unbeabsichtigte, das Zufällige, das Unscheinbare, das die größte Wirkung hatte. Wenn dann noch Bettinas kluge Augen und geschickten Hände daran gehen, dann wird ein eindringliches Plakat daraus: im Anschnitt, teilweise verdeckt, Neugier weckend darauf, was wohl jenseits der Bildkanten ist.

Um genau das auch noch ins Programm zu bringen, die Nähe, die Verletzlichkeit, auch die Ruhe, trafen Bodo und ich uns dann im Juli schließlich zu richtigen Proben bei Dorothee und Michael in Ortenberg, den Besitzern des "Fresche Keller"*. Dort konnten wir mehrere Tage lang im Saal proben, Bodo konnte üben und wir wohnten und kochten in der Künstlerwohnung direkt oberhalb des Saales. In der zweiten Hälfte der Probenzeit kam noch Felix hinzu, mit dem Bodo Singen übte und mit dem wir auch viele fruchtbare Diskussionen über die Figur und ihr Auftreten hatten.

Schließlich also, in einiger Eile, mit vielen Ideen und wenig Zeit – und während ich einen Spielfilm für ein ganz anderes Projekt* vorbereitet habe – zimmerten wir das Programm zusammen. Schon wenige Wochen nach der Probenphase in Ortenberg trafen wir uns alle erst in Berlin zu Vorpremieren und schließlich in Hamburg zur Premiere. Dabei wurde noch das Licht-Design erfunden, und jeden Tag begann Bodo mit seinen Übungen aus der Desmond-Jones-Schule, übte anschließend seine Stücke, Spielen und Singen gleichzeitig, und wir sprachen über Moderationen, verfeinerten die Wortwahl und korrigierten die Haltungen der Bühnenfigur.

achillesverse premiere tonaufnahme

Am 18. September war es so weit: Premiere in der Hamburger AGMA-Zeitbühne, die heute BiB* heißt. Mit von der Partie: Stefan Mayer, ein Kollege von Tom Harris. Beide waren ab dann im Wechsel als Techniker mit Bodo unterwegs. Außerdem waren Volker und Jochen dabei, die an allen drei Tagen die CD aufnahmen. Die AGMA war ausverkauft, am letzten Tag standen sogar noch Menschen am Rand des Saales oder saßen auf den Treppen. Es wurde ein rasender Erfolg!

Wie wir später in Gesprächen mit Zuschauern feststellten, kam der Erfolg "obwohl" das Programm anders war als "Ich denke ..." und auch "weil" es anders war. Die Programme unterscheiden sich grundlegend, vor allem dadurch, dass "Ich denke ..." eher eine Revue verschiedenster Nummern ist, während "Achillesverse" eben diesen roten Faden hat, um den wir so lange gerungen haben. Das liegt besonders an der Entstehungsgeschichte der beiden Programme. Einige Hörer mögen das chaotische der Revue mehr, auch die Schräge der Lieder, andere freuen sich gerade, wenn sie einen Abend lang immer neue Betrachtungen des gleichen Themas sehen und hören können. Und schlussendlich hat ja auch "Achillesverse" Ausbrecher wie das Reisetagebuch.

Wir waren von diesen Eindrücken der Zuschauer ungemein erleichtert. Denn nichts ist schwerer, so schien es uns vorher, als ein zweites Programm. Die Zuschauer hatten hohe Erwartungen, schließlich war das erste Programm sehr beliebt, einige der Lieder wie Ja, Schatz! und Ich trau' mich nicht waren schon zu Evergreens geworden. Ein Stück wie Ödipus kann man nicht kopieren und auch nicht übertreffen. Wie sollten wir die Erwartungen erfüllen?

Indem wir uns dem Vergleich ein Stück weit entzogen haben, haben wir genau das Richtige gemacht. Das war nicht geplant, sondern eher ein Glück im Unglück: Bodos persönliche Situation der vorangegangenen Jahre, all der Liebesschmerz hatte sich in thematisch verwandten Liedern abgebildet, die alle einen ganz anderen Charakter hatten als das "Ich denke ..."-Programm insgesamt. Die beiden Programme zu vergleichen wurde also zum berühmten Apfel-und-Birnen-Spiel. Nun mögen also die einen mehr das eine und die anderen mehr das andere, und die meisten – glücklicherweise – beide Programme auf ihre Art.

Zur Zeit stehen wir kurz vor’m dritten Programm. Was wird das denn nun? Eine Synthese aus beidem? Oder etwas ganz Neues? Wir werden sehen.

Folge 7: 2004

Der Deutsche Kleinkunstpreis ... und alles wird größer

Im November des Vorjahres hatte Bodo einen Anruf seiner Agentin erhalten: "Die wollen Dir den Deutschen Kleinkunstpreis* verleihen!" Er war überwältigt. Es hat einen ganzen Tag gedauert, bis er wieder klar denken konnte und ihm bewusst wurde, was das bedeutete: der wichtigste deutsche Kleinkunstpreis an Bodo Wartke, gerade mal 26 Jahre alt. Die Freude war groß, und zugleich kam die Frage auf: Was soll dann noch kommen? Noch einen Tag später dachten wir: Irgendwas wird uns schon einfallen. Größer und vor allem besser geht immer.

Bodo mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2004

Wir sind also Ende Februar erst einmal zur Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises gefahren. Dabei erfüllte sich nicht nur ein großer Traum für Bodo, sondern es schloss sich auch noch ein Kreis, den er selbst vor 8 Jahren eröffnet hatte. Damals hatte er die Preisverleihung an Lars Reichow* im Fernsehen gesehen. Und sich gedacht: Das kann ich doch auch, was der macht. Wenige Tage später rief er einfach im Betriebsbüro des Mainzer Unterhauses*, das den Preis vergibt, an und fragte, was er denn machen müsse, um den Preis zu gewinnen. Man erklärte ihm nett und freundlich, dass man sich für diesen Preis nicht bewerben könne, sondern er einem angetragen werde. Trotzdem schickte er ihnen seine CD; ein erster Eindruck konnte ja nicht schaden.

Und nun stand er da, neben Arnulf Rating*, Philipp Sonntag*, Frank-Markus Barwasser* und hielt sie in der Hand: die Glocke des Mainzer Unterhauses. Träger des Deutschen Kleinkunstpreises in der Sparte Chanson*. Und das stand bundesweit in allen Tageszeitungen!

Die Verleihung wurde von 3sat* aufgezeichnet, und die Ausstrahlung hatte keinen geringen Einfluss auf die Verkaufszahlen im Online-Shop* und die Besucherzahlen der nächsten Konzerte. Überhaupt ging von da an, und nicht nur ausgelöst durch diesen Preis, alles viel schneller und wurde viel größer.

Im April brachten wir die erste DVD von Bodo heraus. Wir hatten uns die entsprechenden Rechte am Material der im Vorjahr produzierten Aufzeichnung von "Ich denke, also sing’ ich" im Werk9* gesichert. So trafen wir uns also mit der Regisseurin Konstanze Brill und der Editorin Nicole Froeba wieder im Schneideraum, und polierten die übrigen 55 Minuten Material, die für die Fernsehsendung noch unbearbeitet geblieben waren. Entstanden ist ein 100-minütiger Mitschnitt des ersten Programms von Bodo, mit der wunderbaren Melanie Haupt als Partnerin in Quand même, je t’aime und dem sehr selten gespielten zweiten Teil von König Ödipus.

Kamera bei der DVD Aufzeichnung Ich denke, also sing ich

Da diese DVD so ein großer Erfolg war, und wir natürlich sofort danach nach einer DVD von "Achillesverse" gefragt wurden, gingen wir auch dieses Projekt noch 2004 an. Wir trommelten das Team der ersten Aufzeichnung zusammen und buchten uns diesmal den renommierten Quatsch Comedy Club* in Berlin, ein wunderschönes Kleinkunsttheater im kleinen Saal des Friedrichstadtpalastes* in Berlin. Die Tonaufzeichnung übernahm das bewährte Team um Stefan Schmahl und Volker Zeigermann und los ging’s ... Moment, das gehört ja erst ins nächste Jahr.

Im Sommer 2004 besuchte Bodo zum ersten Mal einen Workshop des berühmten Schauspiellehrers Philippe Gaulier*, dessen Ideen und Methoden genau das Richtige für ihn waren. Philippe Gaulier geht es vor allem um Improvisation* und darum, genau das auf der Bühne passieren zu lassen und – sofern es einfach so passiert – zuzulassen, wovor man am meisten Angst hat. Nicht witzig sein zu wollen, sondern einfach auf die Situationen zu reagieren, die sich einem in den Weg stellen. Es geht um Freiheit und um Scheitern, um Spaß am Scheitern und um Demut.

Als wir uns im September im Unterhaus zu einer Woche voller Wiederaufnahmeproben für "Achillesverse" trafen, war er angefüllt von diesen Ideen. Er hatte den ganzen Workshop lang probieren können, war grandios auf die Nase gefallen und immer wieder aufgestanden. Schließlich hatte er in vielen Situationen keine Angst mehr. Der Fotograf, der mitten in der Vorstellung blitzt: Ein gefundenes Fressen! Die Bonbon-raschelnde Zuschauerin in der dritten Reihe: Sie war ab jetzt nicht mehr vor Bodo sicher. Es kam schon mal vor, dass er sich von ihr auch ein Bonbon geben ließ und dann das nächste Lied mit Bonbon im Mund sang. Ein Riesenfest für alle!

Fotoshooting Ich denke, also sing ich 2004

Dass dieses Konzept nicht ganz zum Erscheinungsbild und Wesen der "Achillesverse" passte, war auch schnell klar. Dieses empfindliche Programm ist nicht der Ort für unendliche Improvisationen und Laissez-faire*. Hier gilt es, den Faden zu halten, das Empfinden der Zuschauer in der richtigen Sphäre* zu halten. Wie es mit Gelerntem oft so ist, bewirkte es auch bei Bodo Pendelschläge: nach extrem lockerem Umgang mit Publikum, sich selbst und den Inhalten seines Programms, schlug das Pendel zurück und bis heute hat es sich auf einem guten Stand eingependelt. Immer wieder wird improvisiert und spontan auf’s Publikum reagiert, und dann reißt er das Ruder wieder herum und stürzt den Zuschauer zurück in die Ernsthaftigkeit des nächsten Songs. Bei "Ich denke" arbeitet er freier als bei "Achillesverse".

Bodo hat sich immer wieder in monatelangen Workshops mit der Methode von Philippe Gaulier befasst, war seitdem zwei Mal zu Workshops in Paris. Diese Arbeit hat ihn in letzter Zeit als Schauspieler und auch als Entertainer und Alleinunterhalter sehr geprägt. Ohne diese Erfahrungen wäre er 2006 bei den "Songs" vielleicht nicht so souverän vor ein 4.000-Leute-Publikum getreten und hätte einfach nur gesagt: "So, hat jemand noch’ne Frage?"

Eine weitere grundlegende Erfahrung, die ihn vor allem als Mensch sehr prägte, war sein schwerer Skiunfall im März 2005.

Folge 8: 2005 - 2006

Ein Unfall und seine Folgen – In immer neue Höhen, langsamen Schrittes – Die nächsten 10 Jahre warten schon

Ende März – ich steckte gerade mitten in den Vorbereitungen zur DVD-Aufzeichnung von "Achillesverse", die für Ende Juni geplant war – erreichte mich nachts ein Anruf: Ein Freund von Bodo, mit dem er in Arosa zum Snowboardfahren war, rief an und sagte, Bodo läge in Chur im Krankenhaus, er habe einen schlimmen Unfall gehabt. Glücklicherweise sei ihm nichts Tragisches passiert, und die Sanitäter hätten gleich gesagt, er habe mindestens fünf Schutzengel dabei gehabt, aber dennoch wäre er nicht ansprechbar und sähe ziemlich übel mitgenommen aus.

Was?

Am nächsten Tag konnte ich schon mit Bodo sprechen. Er hatte eine schwere Schädelfraktur, fünf Brüche (für jeden Schutzengel einen) und in einer Operation würden ihm nun Titanplatten ins Gesicht geschraubt, um die Wangenknochen wieder zusammenzuflicken.

Er hatte wirklich viel Glück gehabt! Er konnte sich an den Unfallhergang nicht erinnern, es ist bis heute unerklärlich, wie er derart von der Piste abgekommen sein konnte. Gefunden haben sie ihn kurz vor einer dicken Betonwand, in die er mit rund 70 Sachen gerast wäre, hätte ihn nicht ein Fangzaun vorher ausgebremst. Von Glück im Unglück muss man also sprechen, denn der Fangzaun war so hart gespannt, das ihm das Spannseil die Gesichtknochen zertrümmert hat. Was das Fangseil jedoch nicht traf, waren seine Augen, seinen Kehlkopf und seine Nase, alles Körperteile, die er für weiteres Singen oder Auftreten dringend benötigt.

Bodo im Publikum in Hofheim 2005

Was macht so ein Unfall mit einem Menschen? Bodo jedenfalls hat es viel Freude zurückgegeben. Freude am eigenen Leben, daran, am Leben zu sein. Auch Demut (bekanntlich auch eine Form von Mut) vor den Dingen, die er hat und die er lange nicht mehr wertgeschätzt hatte. Und die Erkenntnis, dass das Leben viel zu schnell vorbei sein kann, um sich mit so vielen sinnlosen Dingen zu beschäftigen, die ihn bis dahin beschäftigten.

Zwar hatte er schon 2004 sein Studium für beendet erklärt und sich ganz für die Kabarettisten-Laufbahn entschieden, trotzdem war in sein Leben noch nicht jene Ruhe gekommen, die er sich für ein kreatives Künstlerdasein wünschte. Sein Schreibtisch wucherte regelmäßig über und er fand einfach nicht die Muße, sich daraus zu befreien. Er verlor auch regelmäßig den Überblick über all die Aufgaben, die auf ihn als selbständigen Künstler mit vielen Ambitionen warteten.

Doch nun war es so weit, der Anlass war gegeben, ein Umdenken war nötig, wenn er den Rest seines Lebens, dessen Vergänglichkeit ihm nun so klar vor Augen stand, genießen wollte. So war schon kurz nach der Operation der Zeitpunkt gekommen, das Künstlerleben neu zu denken, zu ordnen, aufzuräumen.

Bodo auf der Bühne der Hotel Bar in Berlin 2006

Dazu hatte er auch reichlich Gelegenheit. Schließlich durfte er sechs Wochen lang nicht auftreten. Das schlug natürlich hohe Wellen: Über 20 Auftritte mussten abgesagt oder verschoben werden. Für viele davon waren schon Karten verkauft worden; ein erheblicher Aufwand für die Veranstalter und für Bodos Agentur*. Bodo nutzte die Zeit im Krankenhaus in der Schweiz zunächst dafür, viel zu denken und zu entscheiden. Danach hat er die Noten für sein erstes Notenbuch aufgeschrieben. Das war eigentlich schon wieder Arbeit, aber eben eine kreative. Er sagt selbst immer wieder gerne, dass ihn das Notieren unglaublich vorangebracht hätte. Über viele Stellen war er sich bis dahin gar nicht im Klaren, und er hat sie bei den Auftritten sehr frei interpretiert. Nun komponierte er also während des Notierens alle Lieder von "Ich denke, also sing’ ich" bis ins Detail aus ... und hat sie seitdem natürlich trotzdem schon wieder verändert.

Zurück in Berlin beschlossen wir, ihn von allem zu befreien, was nicht mit Auftreten, Lieder schreiben oder Komponieren zu tun hatte. Also gründeten wir im Mai 2005 die "ReimTime Records Wartke & Schütze GbR", von der nominell wir beide Geschäftsführer sind, wobei aber eigentlich ich die Geschäfte führe und wir "nur" gemeinsam entscheiden. Das hatte für uns beide Vorteile.

Ich konnte nun eigenständiger jene Arbeiten ausführen, die ich ohnehin schon lange für ihn tat. Bisher aber hatte ich immer noch das Gefühl, Bodo wegen jedes Details fragen zu müssen. Um die Fragen beantworten zu können, musste Bodo aber eigentlich immer in alles eingearbeitet sein. Genau das konnten wir nun also vermeiden, und Bodo konnte sich fortan voll und ganz auf die Kunst konzentrieren.

Seit Mai 2006 treffen wir uns für unsere "Geschäftsführerbesprechungen" sogar in unserem eigenen, gemütlichen Büro in der Rutschbahn in Hamburg! Das ist ein toller Spaß!

Die Erweiterung und Professionalisierung unserer Unternehmungen war auch aus anderen Gründen nötig geworden, und so kam Bodos Unfall eigentlich ganz gelegen. Noch in keinem Jahr zuvor haben wir soviel produziert wie im Jahr 2005. Als erstes war da die DVD von "Achillesverse", die wir im Quatsch Comedy Club* mit dem gleichen Team aufzeichneten, das schon die Aufzeichnung von "Ich denke, also sing’ ich" realisiert hatte. Doch diesmal waren wir selbst die Produzenten, das heißt die gesamte Gestaltung lag in unserer Hand.

Kameramann bei Achillesverse DVD Aufzeichnung

Wir haben einen ganz besonderen Schnitt des Abends gemacht: er beginnt mit dem Aufbau der Aufführung und zeigt während des Auftritts alles, was für so eine Aufzeichnung nötig ist. Ein integriertes Making-of quasi. Und außerdem erlebt der Zuschauer Bodo bei allem, was er auf der Bühne tut: Nichts ist rausgeschnitten, alle Patzer und Pannen, alle technisch nötigen und von Bodo souverän und höchst amüsant überbrückten Pausen sind enthalten!

Aus dieser DVD-Aufzeichnung ist noch vieles mehr entstanden: eine Doppel-CD als Update der alten "Achillesverse"-CD von der Premiere und das Notenbuch zum Programm, das erst vor wenigen Tagen erschienen ist. Daneben haben wir auch viele andere Projekte realisiert und begannen Anfang 2006 mit den Arbeiten an "Noah war ein Archetyp", dem dritten abendfüllenden Programm von Bodo.

Bis zum Ende des Jahres haben wir uns immer wieder getroffen und an den Stücken des Programms gefeilt. Im Herbst haben wir dann in einem sehr amüsanten Prozess einen Titel gefunden und das Programm gebaut. Über die Entstehung des ganzen Programms habe ich an anderer Stelle schon geschrieben, darum kürze ich hier ab:

Über viele Vorpremieren hinweg haben wir den Ablauf des Programms und die Moderationen erprobt und schließlich hat Bodo am 18.11., genau 10 Jahre und 2 Tage nach seinem ersten großen Konzert, bei Alma Hoppe* Premiere von "Noah" gefeiert!

Nun ist das Ende des Jubiläumsjahres erreicht, gleichzeitig komme ich hier ans Ende der Erzählungen aus den letzten 10 Jahren. Vor uns liegt das Jahr 2007 mit vielen Vorhaben und Projekten und einigen einschneidenden Veränderungen in der Struktur und auch im Auftreten von Bodo. Alles ist im Wandel und im Fluss, begonnen bei Bodos Bühnenfigur, die man in "Noah" viel stärker und eigenständiger wahrnimmt, viel reflektierter und bestimmter als in den vorangegangenen Programmen, bis hin zu den Arbeitsabläufen, die hinter all dem stecken, was der Zuschauer auf der Bühne, im Internet und auf den CDs hört und sieht. Wir werden unser Büro ausbauen und weiter daran arbeiten, dass Bodo bekannter wird. Demnächst stehen einige Auftritte in größeren Hallen an, die Bodo noch bis vor 2 Jahren nicht gefüllt hätte. Doch mittlerweile sind viele Auftritte so weit im Voraus ausverkauft, dass wir etwas unternehmen müssen.

Das werden wir auch. Bodo wird für alle zu hören und zu sehen sein. Und das noch sehr, sehr lange!




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